Türen und Tore

Schon immer haben die Begriffe Tür und Tor, im Westen der Welt, eine besondere Bedeutung gehabt. Als Gartentor, als Hoftor oder als eines der vielen Einfahrtstore, die unsere Gärten und gate-333243_640Anwesen schmücken. Gartentüren und Gartentore haben mit dem Tor, das nun vorgestellt werden soll, aber nur sehr bedingt zu tun. Es geht um eines der Tore, die Weltberühmtheit erlangt haben. Denn immer schon haben Herrscher und Entdecker gerne Tore gebaut, möglichst groß und prächtig. Und dieses Bestreben findet man auch in den Stadtoren wieder, die zusammen mit den Stadtmauern, einst, bis zur elenden Erfindung des Schwarzpulvers, dem Schutz der Stadtbewohner diente.

Das Holstentor in Lübeck

Das Stadttor liegt in der Altstadt von Lübeck, der Hansestadt, genauer im Westen. Es ist das Wahrzeichen der Stadt. Das Tor ist ein trauriger, immer noch bewundernswerter Überrest der prächtigen Anlagen der Lübecker Stadtbefestigung. Es ist mit dem Burgtor, das einzige, das übrig blieb. Das Holstentor weist Nordturm, Südturm und einen großen Mittelbau auf. Die nach Westen gehende Seite nennt man Feldseite, die der Stadt zugewandte nennt sich Stadtseite.

Auf dieser, der Letztgenannten findet sich eine Inschrift S.P.Q.L., die mit den Jahreszahlen 1477 und 1871 umrahmt ist. Die Erbauung fand aber in Wirklichkeit 1478 statt. Die zweite Zahl markiert die Restaurierung und die Gründung des Deutschen Reiches. Auf der Feldseite findet man die Inschrift „Concordia dorni forsi pax“. Das will heißen „Eintracht innen, draußen Friede“. Ein erstaunlich vergeistigter und positiver Ausspruch, der seinen Ansprüchen, wie wir heute wissen, wenn wir Deutsches Reich und seine Geschichte betrachten, nie gerecht werden konnte.

Ein Tor zur Verteidigung

Bis zur unglückseligen Erfindung des Schwarzpulvers waren dicke Stadtmauern ein ziemlich zuverlässiger Schutz. Danach, um 1600 war damit aber Essig und es wurden auch keine neuen Stadtmauern und Stadttore mehr gebaut. Auf der Feldseite finden sich im Holstentor zahlreiche kleine Fenster, die für den Ernstfall so dimensioniert waren. Das Mauerwerk ist außerdem mit zahlreichen Schießscharten versehen. In jedem Turm fanden sich drei Geschütze in ihren Kammern. Im Erdgeschoss sind die Kammern mittlerweile im Boden versunken, denn das Holstentor versinkt sehr langsam. Außerdem gab es im oberen Stockwerk noch Kammern für etwas kleinere Geschütze und Handfeuerwaffen. Die Fenster, die sich über dem Durchgang im Mittelteil befinden, sind dazu gedacht den Feind mit kochendem Wasser und ebenso heißem Pech zu übergießen.

Museum im Holstentor

Das Museum im Holstentor hat keine ganz so rühmliche Vergangenheit. In der Zeit des Dritten Reiches, wie das Tor selber auch zu Zwecken der nationalistischen Propaganda missbraucht, wurden hier lange Zeit historische Unwahrheiten zementiert. Dieser Tradition schlossen sich die Macher des Holstentor Museums – stellt sich die Frage wer – mit der Wiedereröffnung 1950 nahtlos an. Nun waren eine Folterkammer, ein Verlies, eine Streckkammer und diverse Geräte zur Folter zusehen. So etwas aber, wie sich herausstelle, war zu keiner Zeit im Holstentor installiert.

Heute ist das Museum in der Hand der Kulturstiftung Hansestadt Lübeck und birgt ein modernes, mit Audio- und Videoformaten ausgestattetes Dokumentationszentrum. Im zweiten Stock gibt es neben den Dingen um die Lübecker Schifffahrt herum, eine wunderschönes, schildkrötenförmiges Winzmodell der Hansestadt Lübeck ehrfürchtig zu bestaunen. Im Obergeschoss erklärt sich das Lübecker Stadtrecht.